Weihnachtskranz aus einem Speichenrad

Weihnachten 2020

Veröffentlicht von

Dezember 2020

Liebe Familie, Freunde, Bekannte, Kolleginnen und Kollegen! 

Ich kann so nicht mehr schreiben, so positiv, so beschönigend, so selbstverleugnend…

Ich weiß nicht, ob ich dankbar und erfüllt von vielen Erlebnissen sein kann wie noch im letzten Jahr. Eher verzweiflungsvoll setze ich mich diesmal ans Schreiben des Weihnachtsbriefes, um von meinen Aktivitäten in und außerhalb von Gütersloh zu berichten.

Das neue Jahr begann mit einer Urlaubsbuchung mit Frühbucherrabatt: Es sollte an den Neckar gehen mit dem Startort Tübingen, wo wir auch gern Taminas Nichte Marie getroffen hätten. Ihr ahnt jetzt schon, was kommt? Es war besonders der widerwärtige Großschlachter Tönnies, der uns den exklusiven zweiten Lockdown für Gütersloh servierte, so dass wir nicht auf diese Radtour gehen konnten. Die Rückzahlung der Reisekosten dauerte dafür zwei Monate.

Mittlerweile im 6. Jahr organisiere ich mit meinem zum Freund gewordenen Elektriker und ehrenamtlichen Fahrradmechaniker Otto zuverlässig und verkehrstechnisch sicher Fahrräder für Flüchtlinge. Wir sind jetzt bei einer Anzahl von fast 1200 Stück  angekommen. Aus Diebstahlsfällen spenden Versicherungen über die Kreispolizei und eine bezaubernde Mitarbeiterin zahlreiche Räder, mittlerweile sogar auch 2 Pedelecs.

Die Coronapandemie verursachte ein riesiges Spendenaufkommen in der Bevölkerung, weil man plötzlich Zeit hatte aufzuräumen. So kamen Hunderte an Spendenrädern zusammen, die vor allem auch auf einer großen Deele eines Landwirtschaftsbetriebes zwischengelagert werden konnten. 

Als Vereinsgründer und -vorsitzender des SFV AFS e.V. habe ich noch ständig  Kontakt zu meiner alten Schule, obwohl der Tag der Offenen Tür oder das Begegnungsfest diesmal nicht stattfinden konnten. Ich werbe dafür umso intensiver internettechnisch: Siehe die neue website www.annefranksolar.de (früher sfv-afs.de).

Der diesjährige Ostermarsch in Gütersloh war wieder recht erfreulich, wenn auch unter Coronabedingungen. Am Flaggentag der Bürgermeister für den Frieden fand eine beeindruckende Präsentation unserer Forderung nach Abschaffung aller Atomwaffen statt, direkt vor dem Rathauseingang. Unser Ratsmitglied Manfred Reese hatte derzeit die Initiative dazu ergriffen und die Bürgermeisterin der Stadt zur Mitgliedschaft bewegt.

Initiative hatte ich ebenso ergriffen vor 11 Jahren mit dem Antrag an den Rat, die Stadt möge sich um den Titel „Stadt des fairen Handels“ bemühen. Es gab eine einhellige Unterstützung von Seiten der im Rat vertretenen Parteien und des dazu eingerichteten runden Tisches, die Bedingungen für diese Auszeichnung zu erfüllen. Alle zwei Jahre nun mussten wir die Qualifikationen neu nachweisen. Das ist uns auch jetzt gerade wieder gelungen. Ich bitte euch dazu den Beitrag auf diese Webseite zu lesen.

Die Schocktherapie im Kapitalismus, Covid 19, hat das Arbeits- wie auch das Privatleben ordentlich durcheinandergebracht: Neben der Doppelbelastung im Lehrer*innenberuf dann auch die Hilfe und Unterstützung im Familienkreis. So war der Umzug unseres Sohnes Julian nach Bayern eine große Herausforderung, war es doch oft nicht möglich, auch nur zu zweit von hier dorthin zu fahren. Wohnungssuche und Umzugstransporte, die manchmal unter abenteuerlichen Umständen stattfanden, haben am Ende doch ein glückliches Ende gefunden. Besuche von Freunden in Bayern konnten sogar wiederholt stattfinden, auch wenn die Einschränkungen manchmal nur knapp an unseren Zeitplänen vorbeischrammten.

Wir konnten manche Besuche durchführen, mal freudige (Berlin, Hameln, Nürnberg, Landshut), mal weniger erfreuliche, weil mit menschlichen Verlusten verbunden (Bremen, Baden-Württemberg, Hamburg)…

Der Kommunalwahlkampf hatte dann noch einmal erschreckende Ergebnisse in Gütersloh: Die Linke verlor ein Ratsmandat und die Nazis sitzen jetzt zu Dritt im Stadtparlament. Da zweifelt man an der Mündigkeit der Demokrat*innen.

Aber der Kampf gegen Kapitalismus und Krieg muss weitergehen, damit die Menschheit noch eine Chance hat.

Und so wünsche ich euch allen und uns viel Erlebenswertes, ob allein oder gemeinsam, und darüber hinaus alles Gute zu den Festtagen, und zum neuen Jahr 2021 Frieden und Gesundheit

Euer  Ludger

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